Mein Weg zurück in die katholische Kirche

17.03.2026

von Felix Kunde

Vor vier Jahren bin ich aus der katholischen Kirche ausgetreten. Damals spielte sie in meinem Alltag kaum eine Rolle und die Missbrauchsstudien verstärkten meine damaligen Zweifel an der Institution Kirche. Doch mit der Zeit hat sich meine Perspektive verändert: Besonders in den letzten Jahren begann für mich eine intensive Sinnsuche danach, was mir im Leben Halt gibt. Über das Weltliche hinaus. Orientiert an etwas Größerem als meiner eigenen Person. 

Ein wichtiger Auslöser für diese Suche waren Umbrüche in meinem Leben – sowohl beruflich als auch privat. Solche Veränderungen bringen oft Unsicherheit mit sich, aber sie eröffnen auch neue Perspektiven und die Chance sich selbst, seinen Glauben und seine Beziehung zu Gott neu entdecken zu dürfen. In dieser Zeit wurde der Glaube für mich wieder präsenter. 

Nun, mit 30 Jahren, reifte schließlich der Entschluss, wieder in die katholische Kirche einzutreten. Der erste Schritt war einfach: Ich schrieb eine E-Mail an das Pfarrbüro. Darauf folgte ein Gespräch mit Pfarrer Deuring über meine Beweggründe und über den Ablauf eines Wiedereintritts. Dieser Austausch war für mich sehr wertvoll, weil er Raum für Fragen und persönliche Reflexion bot. 

Der eigentliche Wiedereintritt fand in einem Sonntagsgottesdienst in Hopfen statt. Für mich war es schön und wichtig, dass Familie und Freunde dabei waren. Während des Gottesdienstes durfte ich mich der Gemeinde vorstellen und ein persönliches Glaubenszeugnis geben. Dabei habe ich erzählt, was mir am katholischen Glauben wichtig geworden ist: Das Prinzip Hoffnung, Gottes bedingungslose Liebe zu uns Menschen, die Suche nach Wahrheit und das Vertrauen darauf, dass das Gute letztlich stärker ist. 

Ein besonderer Moment war für mich auch die anschließende Firmung. Als Jugendlicher war ich nicht gefirmt worden, deshalb durfte ich im Rahmen des Wiedereintritts dieses Sakrament empfangen. Dazu gehört auch die Erneuerung des Taufversprechens, mein Glaubensbekenntnis. 

All das hat mir deutlich gemacht, dass der Glaube nicht nur eine persönliche Entscheidung ist, sondern auch ein Weg in Gemeinschaft. 

Der Moment, in dem ich mein Leben wieder vollends in Gottes Hände legte, fühlte sich nach einer Befreiung - von allem was mich wegführt von Ruhe, Frieden und Gott selbst - an. Ein Bibelvers begleitet mich daher besonders: 

„Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ (2 Kor 3,17) 

Tradition und Kultur sind mir sehr wichtig. Die Kirchenräume, die Liturgie, die jahrhundertelange Tradition und auch die pure Ästhetik der katholischen Kirche sprechen mich an und geben mir ein Gefühl von Tiefe, Kontinuität und Verbundenheit. 

Auch die Kirchensteuer sehe ich heute differenzierter als früher: Ich halte sie für sinnvoll, weil sie vieles ermöglicht, wie die Arbeit in Kindergärten, seelsorgliche Angebote, caritatives Engagement und nicht zuletzt den Erhalt unserer Kirchen und Kultur. 

Mein Wiedereintritt war für mich ein wichtiger Schritt. Er bedeutet nicht, dass ich am Ziel bin. Aber er ist Ausdruck meines Weges – eines Weges der Suche nach Sinn, Hoffnung und Orientierung im Glauben. 

Felix Kunde