Pfarreiengemeinschaft Füssen

Weihnachten in Indien

Liebe Schwestern, liebe Brüder und liebe Kinder, ganz herzlich begrüße ich Sie und euch an diesem  Heiligen Abend. Ich freue mich, dass Sie sich für Weihnachten in Indien interessieren. Der Engel sagt zu den Hirten: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll! Wir bereiten uns im Advent auf diesen Tag vor, nämlich auf die Geburt des Herrn. Das ist Weihnachten. Diese Zeit bringt uns Fröhlichkeit, Mut und Hoffnung.

Weihnachten zählt zu den schönsten Zeiten des Jahres. Die Dekoration, der Nikolaus (er kommt in Indien direkt am Weihnachtstag), verschiedene Gebäcke und Getränke machen das Fest in Indien wie in Deutschland zu einem Ereignis. Warum ist es aber so besonders? Weihnachten gilt als Fest der Liebe. Viele schöne Momente, Attraktionen und Geschehnisse werden mit dem Weihnachtsfest verbunden.

Heute möchte ich Ihnen etwas von Weihnachten in meiner Heimatstadt Kadanad, im Bundesstaat Kerala im Südwesten Indiens, schildern. Es ist auch in Indien ein offizieller Feiertag. Aber im Vergleich zu Festen der anderen Religionen, ist Weihnachten in unserem Land ein relativ kleines Fest. Die meisten Christen leben in den indischen Bundesstaaten Kerala, Tamil Nadu, Goa, Manipur und Mizoram. Sie sind hauptsächlich römisch-katholisch. Dort, wo ich herkomme, wo etwa 34% der Christen des Landes leben, ist Weihnachten dagegen ein sehr wichtiges Fest. Von Anfang Dezember bis zum Heiligen Abend fasten dort die Menschen. Die meisten enthalten sich von Fleisch und Alkohol. Im Advent gehen mehr Leute als sonst in die Kirche. So ist der Kirchenbesuch werktags bei 50%, am Sonntag sind es so wie so 95%. Die geistliche Vorbereitung wird mit Exerzitien für die Gläubigen durchgeführt. Sie dauern in jeder Kirche eine ganze Woche. Mit Vorträgen über verschiedene Glaubensthemen, persönlichen Gesprächen und Beichten bereiten sich die Menschen auf Weihnachten vor. Die Mitternachtsmesse an Heilig Abend ist sehr wichtig und wird von der ganzen Familie besucht.  Der Gottesdienst kann bis zu zwei Stunden dauern und läutet das indische Weihnachtsfest ein.  Erst dann feiert man mitten in der Nacht ein großes Fest in der Familie mit verschiedenen köstlichen Speisen. Einzelne Gruppen singen öffentlich Weihnachtslieder, veranstalten Krippenwettbewerbe oder vergeben Preise für die schönsten Christbäume. Diese wurden zuvor in den Häusern begutachtet.

Jedes Haus wird mit einem Weihnachtsstern dekoriert. Man erhält sie ab Anfang Dezember in jedem Schreibwarenladen (Bild Weihnachtsstern). Wie in Deutschland, schmücken Krippen nicht nur die Kirchen, sondern auch das Zuhause vieler Christen. Für dieses Foto haben meine Nichten und Neffen eine lebendige Krippe dargestellt. Tipp: ein Hase ist auch dabei! (Bild lebendige Krippe Nichten und Neffen). Feuerwerk und Tanz gehören an Weihnachten in Indien einfach dazu. Christbäume gibt es bei uns auch. Allerdings haben wir keine Nadelbäume. Stattdessen werden die Lichter bevorzugt an Mangobäume gesteckt, die man ins Zimmer stellt Diese sind jedoch nach drei Tagen welk und werden dann entfernt. Zu Essen gibt es nach der langen Fastenzeit gut und reichlich. Die ganze große Familie isst Fleisch mit Reis und Gemüse, die Erwachsenen trinken Toddy (Palmwein), es gibt Kaffee, Kuchen und natürlich Geschenke.

In manchem unterscheidet sich also das indische Weihnachtsfest von den Feierlichkeiten in anderen Ländern. Auffällig ist, dass sich die Leute in meiner Heimat geistlich sorgfältig auf Weihnachten vorbereiten. Denn jedes Weihnachten verkündet uns immer eine frohe Botschaft, die Botschaft der Liebe. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Weihnachtszeit und Merry Christmas! Unni mishihá ningalé ellawareyúm samarthamái anugrehiketé! Das heißt in meiner Sprache Malayalam: Das Christkind segne Euch reichlich!